Der Weg der drei Pilger - Heilige Drei Könige
Bei den Kindern sind sie beliebt. Ebenso den meisten Erwachsenen sind diese
Wanderer auch nach all den vielen Jahren ein Begriff. Denn sie waren es, die
den Weihnachtsstern sahen, der Ihnen, hell am nächtlichen Himmel leuchtend,
den Weg zur Geburtsstätte des neuen Königs der Juden, nämlich
Jesus von Nazareth, nach Bethlehem wies.
Sie waren seine ersten Verehrer, sie knieten vor dem Kinde nieder, huldigten
dem Menschen, in welchem sie den Messias erkannten und beschenkten ihn mit den
Gaben, die sie mit sich trugen: Mit Myrrhe, dem Balsamöl, gewonnen aus
dem Harz des Myrrhestrauchs, mit Weihrauch, dem getrockneten Harz des Weihrauchbaumes
und mit dem Gold, welches einem König gebührt.
Die Rede ist von Caspar, Melchior und Balthasar – den drei Weisen aus
dem Morgenlande. Ob sie wirklich so hießen, ist heute kaum mehr zu bestimmen,
denn nicht nur ihre Anzahl schwankte, je nach Quelle, zwischen zwei und vier,
auch ihre Namen waren ursprünglich nicht festgelegt. Die aktuell gültige
Fassung wurde zwischen dem sechsten und achten Jahrhundert bekannt, jedoch existieren
auch heute noch regionale Abweichungen.
Anfänglich waren die Drei auch keine Aristokraten sondern, folgt man Matthäus,
Magier aus dem Osten, also „Weise“. In den königlichen Stand
wurden sie erst lange Zeit später erhoben, etwa zwischen dem achten und
dem zwölften Jahrhundert. Zu ihrem Andenken begehen wir heute jedes Jahr
am 06. Januar, benannt nach der Erscheinung des Herrn, das Epiphaniasfest, bekannter
unter dem Namen „Heilige Drei Könige“.
Wenngleich es kein bundesweiter Feiertag ist, so hat sich doch fast überall
der Brauch des Sternsingens etabliert. Dabei ziehen hauptsächlich Kinder,
verkleidet als eben diese Könige, mit einem Stern von Haus zu Haus, singen,
sprechen ein Gedicht oder Gebet und verkünden die frohe Botschaft. Die
als Lohn dafür erhaltenen Gaben, meist Geldspenden, gehen an die Armen,
heute also an wohltätige Zwecke.
Zum Dank hinterlassen sie mit geweihter, weißer Kreide ihre traditionelle
Segensbitte an der Haustür oder am Türbalken, etwa so: *C+M+B+10.
Der Stern symbolisiert dabei den von Bethlehem, die Kreuze repräsentieren
die Dreifaltigkeit in Form des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und
die Buchstaben stehen wahlweise für die Namen der Drei Weisen oder für
das lateinische „Christus Mansionem Benedicat“, was so viel bedeutet
wie: „Christus, segne dieses Haus“.
Die Ziffern bezeichnen die Jahreszahl des Besuches und ändern sich somit
in jeder Saison – in Gebrauch sind im Übrigen je nach Land und Konfession
diverse örtliche Variationen der genannten Symbole.
Orthodoxe Christen feiern die Wasserweihe zum Gedenken der Taufe Christi, während
die Katholische Kirche dieses Ereignis getrennt von seiner Erscheinung erst
an dem auf Epiphanias folgenden Sonntag zelebriert.
Eine besondere Form der Erinnerung an Caspar, Melchior und Balthasar findet
sich in Form ihrer Gebeine, der Überlieferung nach die einzigen erhaltenen
menschlichen Überreste von Zeitzeugen der Geburt Christi. Als Reliquien
fanden sie ihren Weg mit Hilfe der Heiligen Helena, Mutter Kaiser Konstantins
I, des Bischofs Eustorgius sowie des Erzbischofs Rainald von Dassel im Jahre
1164 von Palästina über Mailand bis ins mittelalterliche Köln.
Die Stadt erlangte dadurch neben ihrem Rang als Bistumssitz überregionale
Bedeutung als Wallfahrtsort. Möglicherweise waren also diese Reliquien
mit einer der Gründe für den Bau des Kölner Doms, denn dem wunderschönen,
kunstvoll verzierten Schrein, in dem sie noch heute aufbewahrt werden, geziemte
ein würdiges Domizil. Nach 632 Jahren Bauzeit war die entsprechende, bautechnische
Meisterleistung dann auch vollbracht worden – aber das ist eine andere
Geschichte.