Mariae Himmelfahrt - Der Weg in den Himmel
Mariae Himmelfahrt zählt, ebenso wie Christi Himmelfahrt, zu den Hochfesten
sowohl in der römisch-katholischen als auch in der orthodoxen Kirche und
ist daher ein Feiertag, wenn auch nicht überall ein gesetzlicher. Gedacht
wird alljährlich am 15. August der Aufnahme Marias, Ehefrau Josephs und
Mutter Christi, in den Himmel.
Die Bezeichnung des Vorgangs variiert je nach Konfession zwischen Mariae Aufnahme
in den Himmel, Mariae Himmelfahrt, Heimgang Mariae oder auch Mariae Entschlafen.
Die Wurzeln dieses Kirchenfestes reichen in das fünfte Jahrhundert zurück,
als Cyrill, Patriarch von Alexandria, es im Rahmen der Marienverehrung einführte.
Etwa seit dem sechsten Jahrhundert ist der Glaube an ihre wirkliche, leibliche
Aufnahme belegt. Die Einführung des Festes in Deutschland datiert offiziell
auf das Jahr 813 n.Chr., während es beispielsweise in Italien Ferragosto
heißt und in seinen Ursprüngen bereits auf den ersten römischen
Kaiser Augustus (63 v.Chr.-14 n.Chr.) zurückgeht, wenngleich der damalige
Grund natürlich ein anderer war.
Weil der 15. August in Italien als Wendepunkt des Sommers und als heißester
Tag des Jahres galt, ordnete Augustus seinerzeit einen arbeitsfreien Tag für
alle Römer einschließlich der Sklaven an. Patriarch Cyrill nutzte
diesen Tag dann fünfhundert Jahre später für die Einrichtung
des Marienfestes, zumal die Heiden an diesem Termin ohnehin bereits eine andere
Himmelfahrt feierten, nämlich die der Astrae, Tochter des Zeus und der
Themis.
Einen Schritt weiter ging dann Papst Pius XII, der im Jahre 1950 in seiner
Apostolischen Konstitution verkündete, dass er und die katholische Kirche,
der er vorstand, die Aufnahme der Jungfrau Maria nunmehr als von Gott offenbarten
Glaubensgrundsatz und fortan als Dogma betrachteten. Seine Leugnung oder Anzweifelung
ist seither gleichbedeutend mit dem vollständigen Abfall vom Glauben.
Ungeachtet dessen unterscheidet die Kirche theologisch durchaus zwischen „Ascensio
Christi“, der Auffahrt des Christus in den Himmel und „Assumptio
Mariae“, zu übersetzen mit der Aufnahme Marias im Himmel. Letzteres
verdeutlicht, dass Maria nicht selbst aufgestiegen ist sondern „geholt“
wurde - insofern ist der im deutschen Sprachraum verbreitete Begriff Mariae
Himmelfahrt eigentlich nicht ganz zutreffend.
Der Überlieferung zufolge schwebte Marias Leichnam, von Engeln gestützt,
in einer strahlenden Aura von Licht gen Himmel, beobachtet von den ihr Grab
umstehenden Aposteln. Einzig Thomas, der stets ungläubige, kommt erst später
hinzu und erhält angeblich zum Beweis ihren Gürtel. Im Sarkophag verbleibt
jedoch ihre übrige Bekleidung, die noch heute als Reliquien etwa in Prato,
Aachen oder Trier gezeigt werden.
Weiterhin berichtet die Legende, dass die Jünger das Grabmal öffneten
und an Stelle ihres Leichnams nur noch einige Blüten und Kräuter fanden.
Daraus entstand in der katholischen Kirche der seit vielen Jahrhunderten gepflegte
Brauch, Kräuterweihen an Mariae Himmelfahrt vorzunehmen.
Dabei werden Sträuße aus sieben verschiedenen Kräutern gebunden,
wobei die Zahl für die sieben Sakramente steht bzw. die sieben Schmerzen
Marias symbolisieren sollen. Diese Sträuße sollen, auf dem Dachboden
eines Hauses aufgehängt, selbiges und seine Bewohner vor Unbill wie Blitzschlag
oder Krankheiten schützen.
Am 15. August finden in den Katholischen Kirchen, vor allem im Süddeutschen
Raum, Pontifikalämter statt. Sie werden so bezeichnet, weil die Messe nur
ein Priester abhalten darf, der die Berechtigung zum Tragen der Pontifikalien,
also der Insignien höherer kirchlicher Würdenträger, innehat.
Gewöhnlich sind dies Äbte oder ein Bischöfe.
Die bedeutendste ihrer Art wird im Wallfahrtsort Maria Vesperbild in Ziemetshausen
im Landkreis Günzburg (Bayern/Baden Württemberg) gefeiert. An solche
Messen schließen sich häufig Lichterprozessionen an wie etwa die
Fatima-Schiffsprozession zu Lindau am Bodensee, eine ihrer bekanntesten.
Zudem beginnen mit diesem Datum die sogenannten „Frauendreißiger“,
ein Zeitraum von 30 Tagen, an denen verbreitet Marienprozessionen abgehalten
werden. In der orthodoxen Kirche wird daneben der Brauch des Marienfastens fortgeführt:
In den beiden Wochen vor dem Festtage soll dabei möglichst auf Fisch, Fleisch,
Milchprodukte sowie auf Öl und Wein verzichtet werden.