Ostersonntag
Ostern ist - anders als etwa Heiligabend - ein sogenannter beweglicher Feiertag,
weil es nicht auf einen feststehenden Tag im Jahr fällt. Es wird nach dem
unter Kaiser Konstantin im Jahre 325 a.D. einberufenen Konzil von Nizäa
in der heutigen Türkei stets an dem Sonntag gefeiert, welcher auf den ersten
Vollmond im Frühling folgt. Damit liegt das Osterfest in einem Zeitkorridor
zwischen frühestens dem 22. März und spätestens dem 25. April.
Bereits ab Anfang Februar füllen sich die Geschäfte mit Osterhasen,
Ostereiern und allerlei Schmuck für den obligatorischen Weidenstrauch.
Spätestens dann ist klar: Ostern rückt näher. In der Karwoche
steigt die Spannung allmählich an, die Kinder werden unruhig – und
dann ist er endlich da: Der Ostersonntag.
Neben Pfingsten handelt es sich beim Osterfest um das älteste und zugleich
höchste Fest der Christenheit. Gefeiert wird der Tag der Auferstehung Jesu
nach seiner Hinrichtung durch die Römer. Was war an diesem Sonntage vor
rund zweitausend Jahren geschehen?
Nachdem Jesus von Nazareth am Karfreitag den Tod am Kreuz gestorben war, gestatte
der römische Statthalter Pontius Pilatus, der ihn verurteilt hatte, entgegen
damals üblichen Gepflogenheiten die unverzügliche Abnahme und Bestattung
des Leichnams. Der Überlieferung zufolge wurde Jesus in ein Leichentuch
gewickelt und in einer Felsengruft bestattet. Diese wurde durch einen großen
und schweren Stein verschlossen, von dem man annehmen sollte, dass ein Mensch
allein ihn nicht hätte bewegen können.
Zusätzlich ordnet Pilatus an, das Grab bewachen zu lassen, um einem Abtransport
mit nachfolgender Auferstehungslegende vorzubeugen. Die Wächter versiegeln
den Stein und versehen ihren Dienst, jedoch müssen sie versagen, denn Höheres
trägt sich zu.
Früh am Morgen, noch ist es dunkel, da suchen Maria Magdalena und des
Jakobus‘ Mutter, Maria, die Grabstätte auf, um den Leib Christi einzubalsamieren.
Während sie noch überlegen, wie sie an den Bewachern vorbeikommen
und den Stein bewegen sollen, erbebt plötzlich die Erde. Ihnen erscheint
ein Engel, der die römischen Wächter erstarren lässt und den
Stein für sie zur Seite rollt - und damit unter Beweis stellt, was er den
beiden Frauen sagt: Jesus ist auferstanden.
Sie eilen zurück in die Stadt, um die Kunde zu verbreiten, und begegnen
dem Heiland auf dem Wege dorthin. Seine Jünger, ganz besonders der ungläubige
Thomas, sind zunächst misstrauisch, doch später erscheint Jesus auch
ihnen und überzeugt sie davon, dass er den Tod besiegt hat. Später
tragen sie die Kunde davon hinaus in die Welt und haben die frohe Botschaft
damit bis in unsere Tage lebendig erhalten.
Mit dem Ostersonntag enden die heiligen drei Tage, das Triduum Sacrum, und
zugleich die Fastenzeit. In den Kirchen beginnen die Feierlichkeiten bereits
in der Osternacht, also am Abend des Karsamstages, mit der Lichtfeier. Dabei
werden nahe den Gotteshäusern Feuer entfacht, woran unter Dankgebeten die
neue Osterkerze entzündet wird. Es folgt eine Prozession in die noch dunkle
Kirche.
Nach dem dreimaligen Ruf „Lummen Christi“ des Priesters, was übersetzt
„Christus das Licht“ bedeutet, und der Antwort der Gemeinde „Deo
Gratias“ (Ehre sei Gott) wird die Flamme der ersten Kerze an die übrigen
Gläubigen verteilt und das Kircheninnere erhellt sich.
Nach dem folgenden Wortgottesdienst setzt mit dem Gloria erstmals die Orgel
wieder ein, die seit Gründonnerstag geschwiegen hatte, und die Glocken
beginnen zu läuten. Es schließen sich Taufe bzw. Tauferneuerung und
Eucharistiefeier (Abendmahl) an, die Messe endet mit dem Halleluja.
Der Brauch der großen Osterfeuer übrigens, die in vielen Gemeinden
zusätzlich zum kirchlichen abgebrannt werden und sowohl Treffpunkt als
auch Fest für viele Menschen sind, geht vermutlich auf Traditionen zurück,
die im Laufe des 16. Jahrhunderts entstanden sind und vom Christentum übernommen
wurde. Ursprünglich sollte mit den möglichst hoch auflodernden Flammen
nämlich der Winter ausgetrieben werden, und die Asche diente zum Schutze
der Saat auf den Feldern.
Was haben denn nun aber eigentlich Osterhasen mit der ganzen Sache zu tun,
und was die Eier? Letztere zu bemalen ist ein alter und überregional verbreiteter
Brauch unter Christen, an dem natürlich vor allem Kinder ihren Spaß
haben, wenn sie sie bemalen oder die versteckten Eier suchen dürfen. Der
genaue Ursprung des Brauches ist nicht bekannt, es wird jedoch eine Symbolik
im Zusammenhang mit der Auferstehung angenommen, was im Hinblick auf das Ei
als Beginn neuen Lebens nachvollziehbar ist.
Der Osterhase hingegen taucht, ebenso wie die Sitte des Eiersuchens, in der
Geschichte zuerst im Mittelalter gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf. In Deutschland
war er in Verbindung mit Ostereiern bis um 1900 herum übrigens nicht zu
finden, vermutlich deshalb, weil bis dahin regional verschiedene Tiere wie z.B.
Kraniche oder Füchse die Eier zu den Kindern brachten.
Wie es nun zu der Hasen-Ei-Verbindung kam, darüber gehen die Meinungen
auseinander. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Deutung, dass die Erwachsenen,
welche die Eier für die Kinder versteckten, jenen eine glaubhafte Erklärung
für deren Lieferung geben wollten. Und das waren dann eben diverse Tiere,
unter denen der Hase sich letztlich durchgesetzt hat. Und lecker ist der Brauch
ja immerhin!